Die Position der EFSA
Die EFSA sieht keine Gefährdung des Menschen, weil beim Menschen BPA schneller abgebaut werde, als bei Nagetieren.
Keine Studie, die Effekte im Niedrigdosenbereich ergab, wurde bisher anerkannt.
Die EFSA stützt sich bei ihrer Risikobewertung auf zwei amerikanische Studien, die von der amerikanischen Kunststoffindustrie finanziert wurden. Diese zeigten auch keine Effekte im Niedrigdosisbereich.
Aus den letzten Risikoevaluationen (2002,2006,2008) ergibt sich für die EFSA eine tolarierbare tägliche Aufnahmemenge von 50 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. In ihrer Abschätzung kommt sie zum Schluss, dass die Exposition über die Nahrung weit unter der tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge bleibt und damit ein genügender Sicherheitsabstand für alle Konsumenten, inklusive Säuglinge und Feten gewährleistet ist.
Neue Ergebnisse zu Bisphenol A:
„Eine aktuelle Studie (Leranth et al. 2008) zeigt nun, dass diese Einschätzung nicht zu halten ist: Bei BPA-Dosiswerten, die laut EFSA angeblich sicher sind, zeigten sich auch bei Affen Störungen in der Entwicklung des Gehirns, die das Gedächtnis, das Lernen und das Verhalten verändern. Diese Ergebnisse sind auch auf den Menschen übertragbar.
Noch weitergehende Konsequenzen ergeben sich aus einer umfangreichen epidemiologischen Untersuchung (Lang et al.2008): BPA-Konzentrationen im menschlichen Körper (gemessen mit Hilfe der Uringehalte) zeigten einen
signifikanten Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Fettleibigkeit.
Die Ergebnisse legen auch die Frage nahe, ob das verstärkte Auftreten von Diabetes Typ 2 bei Kindern mit dem verstärkten Einsatz von BPA zusammenhängt. Die neuen Ergebnisse bestätigen Befürchtungen von Toxikologen die für Embryonen, für Säuglinge und Kleinkinder sehr wohl Gesundheitsgefahren annehmen und bereits seit Jahren dringenden Handlungsbedarf sehen.“
(aus: BUND, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Friends of the Earth, “Hormone in der Babyflasche. Bisphenol A, Beispiel einer verfehlten Chemikalienpolitik.“ Publikation Februar 2008)
Gesamter Text: www.bund.net/publikationen/chemie/20081022_chemie_studie_bisphenol_a.pdf
Eine Studie an der Universität von Cincinnati (publiziert im September 2008) zeigt bei Versuchen mit menschlichem Fettgewebe, dass BPA in den Zellen das Hormon Adiponectin unterdrückt. Dieses Hormon schützt den Organismus vor dem metabolischen Syndrom, den vier Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerten.
(Quelle: Focus.de oneline 06.09.2008 und University of Cincinnati (2008, September 5). Toxic Plastics: Bisphenol A Linked To Metabolic Syndrome In Human Tissue. ScienceDaily. Retrieved June 28, 2009, from http://www.sciencedaily.com releases/2008/09/080904151629.htm)
Die Studie ist in der Online-Ausgabe des Fachmagazins „Environmental Health Perspectives“ erschienen.
Neue Daten (2009) bestätigen frühere Studien: Jeder nimmt täglich viel größere Mengen Bisphenol A zu sich als angenommen. „Die Chemikalie muss damit aus weit mehr Quellen auf den Menschen übergehen als bislang gedacht, sagt Frederick vom Saal, Co-Autor der Studie. Für die Untersuchung an der University of Missouri-Columbia fütterten die Forscher fünf weiblichen Affen eine Bisphenol-A-Dosis von 400 Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht. Diese Menge liegt ein 400-Faches über der von der U.S. Food and Drug Administration (FDA) geschätzten Tagesration eines Menschen und ein Achtfaches über dem Wert, der als unbedenklich gilt. Dennoch war der Bisphenol-A-Gehalt im Blut der Tiere nach 24 Stunden niedriger als der Durchschnittslevel, den Bürger von Industrienationen üblicherweise vorweisen. „Die Ergebnisse zeigen, dass der Durchschnittsmensch einer täglichen Dosis BPA ausgesetzt ist, die deutlich über der geschätzten sicheren Tagesdosis liegt“, so Frederick vom Saal.
(zitiert aus: Focus online, 11.6.2009 http://www.focus.de/gesundheit/news/bisphenol-a-menschen-unerwartet-stark-belastet_aid_407109.html)
Warum wird Bisphenol A nicht verboten?
Die Meinung der EFSA und anderen Behörden, die kein Risiko durch Bisphenol A sehen, lautet: Ein Verbot von BPA würde unweigerlich dazu führen, dass die Hersteller von Verpackungen und Bedarfsgegenständen (Produkte für den Lebensmittelkontakt) auf andere Stoffe ausweichen müssten, deren Toxizität weniger gut bekannt ist. Das würde bedeuten, dass ein gut charakterisiertes Risiko durch ein deutlich schlechter einschätzbares Risiko ersetzt würde.
Polycarbonat ist ein klarer und relativ stabiler und bruchfester Kunststoff, der bis 145°C temperaturbeständig und gegenüber vielen Säuren und Ölen widerstandsfähig ist. Viele (transparente) Haushaltsgeräteteile, Schüsseln für Lebensmittel, hitzebeständige Flaschen wie Babyflaschen und mikrowellengeeignete Kunststoffprodukte sowie CD-Hüllen und Lebensmittelverpackungen bestehen aus Polycarbonat.
Auf dem Gegenstand oder der Verpackung kann die Abkürzung "PC" für Polycarbonat eingeprägt oder aufgedruckt sein. Der Aufdruck ist aber keine Pflicht, weil Bisphenol A nicht gekennzeichnet werden muss.
Die Ziffer 7 als Recyclingcode (Bezeichnung für „andere“ als die mit den Ziffern von 1 bis 6 angegebenen Kunststoffe) gibt einen Hinweis, dass auch Polycarbonat im Produkt enthalten sein kann.
Epoxiden und Epoxidharzen.
Epoxide werden eingesetzt als:
- Kleber, Oberflächenbeschichtungen und Lacke, die sich durch ihre hohe Haftung und ihre Beständigkeit gegenüber vielen Chemikalien auszeichnen, und verwendet für die Innenbeschichtung von:
- Getränkedosen
- Konservendosen
- Mehrwegkartons (Tetrapacks)
- Konserven- und Flaschendeckeln
sowie für
- Nagellack
Darüber hinaus wird ein weiterer, mengenmäßig kleinerer Teil der BPA-Produktion für Flammschutzmittel, ungesättigte Polyesterharze, Polyacrylate, Polyetherimide und Polysulphonharze sowie andere Anwendungen wie Bremsflüssigkeiten und als Hilfsmittel für den Pestizideinsatz verwendet (ICIS 2007). Ist in PET-Flaschen Bisphenol A enthalten?
Forscher der Universität Frankfurt haben in einer neuartigen Studie (März 2009) auch in Mineralwasser, das in PET-Flaschen abgefüllt war, hormonell wirksame Substanzen wie Bisphenol A nachgewiesen, es lassen sich daraus aber keine Rückschlüsse auf die PET-Flaschen als Verursacher ziehen. Es wird davon ausgegangen, dass Bisphenol A und andere Chemikalien bereits vorher (durch andere Kunststoffbehälter) ins Wasser gelangen. Das Deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung kommt zu dem Schluss: In PET-Flaschen ist kein Bisphenol A enthalten. Der Ursache des Eintrags östrogenartiger Substanzen solle allerdings nachgegangen werden...
www.bfr.bund.de/hormonell_wirkende_substanzen_in_mineralwasser.pdf
FAZIT: BPA ist allgegenwärtig
Es gelangt bei der Produktion in die Umwelt, und es wird vor allem ständig aus Kunststoff-Gebrauchsartikeln freigesetzt. Es wurde in der Luft, in Stäuben, in Oberflächengewässern und auch im Meerwasser nachgewiesen. Selbst in frischem Treibhausobst und in Trinkwasser aus Kunststofftanks konnte BPA gefunden werden .Der Mensch ist weltweit und kontinuierlich BPA ausgesetzt.
Quellen:
BUND, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Friends of the Earth, “Hormone in der Babyflasche. Bisphenol A, Beispiel einer verfehlten Chemikalienpolitik.“ Publikation Februar 2008
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).
Bundesumweltamt, Deutschland
Bundesumweltamt Österreich